Paul Celan

 Abstrakte Dinge
 Baue ich hier
 
 So voller Emotion 
 Gedankenstruktur
 Neologismusphilosophie
 Würde ein Germanistiker meinen
 
 Doch lasst es so stehen
 Wartet was ihr versteht
 Sucht nicht, versteht nur
  - Das ist die große Kunst
 
 Allein der Betrachter ist der Künstler in manchen Fällen.
 Denn die Striche und Worte malen nur
 Materielle Strukturen
 
 Doch in unseren Herzen und Köpfen
 Verstehen wir mehr als Linien und Sätze, 
 Fremdwortvokabular und Farbentheorien
 Wir sehen mit dem Herzen, fühlen im Kopf
 Fühlen ist ein Teil der Kunst
 Wir verstehen uns selbst 

Berlin um viertel vor 4

 Berlin, viertel vor vier
 Ich steh am Fenster und träume von dir
 Vögel kreischen über metallenen Dächern
 Selbst ihre Stimmen klingen schon blechern
 
 Am Horizont wird es langsam hell
 Ein Blick in die blauen Wolken und ich wundere mich
 Die Farben des Sonnenuntergangs vergaß ich schnell
 Denn zwischen die Bauten drang kaum Licht
 
 Meine Finger schmecken nach Chipsfett 
 und verlorenen Kartenpartien
 Der Geschmack einer Nacht die doch 
 vor kurzem noch so nahe schien
 
 Von Alkohol an der Spree
 Wir waren verlorene Piraten auf hoher See
 Ertranken fast
 Im Lichtermeer der rauschenden Stadt
 Dennoch sah ich mich daran nie satt
 
 Ich steh in Berlin, am Fenster, hoch oben
 Denke an die anderen komischen Vögel,
 Die verweilen, hier droben
 In den erleuchteten Fenstern -
 
 Und zwischen den endlosen Lichtern
 Seh ich wie die Sonne durch die Wolken sticht.
 
 Selbst zwischen den Millionen Gesichtern
 Vergaß ich deines nicht 

Traurigkeit

 Wie dicke, schwarze Tropfen tropft die Traurigkeit von meiner Decke
 Langsam und schwer, träge, wabert sie umher
 Sie seufzt und weint, 
 versteht das Leben nicht 
 Und wie es scheint
 Ist genau das ihre Pflicht
 Sich trauern und quälen
 Warten
 Und das warten dauert so lang
 Sooo lang dauert es
 Und immer noch ist sie träge und schwer
 Sieht den Sinn ihrer eigenen Existenz nicht mehr
 
 Aber die Traurigkeit, sie ist so weich
 Und wenn sie von der Zimmerdecke tropft lasse ich sie in mein Bett, 
 Drücke sie und fühl sie
 Spüre ihre kalte Wärme an meinem Körper
 Streichel über ihren Kopf
 Zusammen vergießen wir ein paar Tränen
 Sehen den dunklen Himmel draußen vorm Fenster
 Müssen beide ein bisschen gähnen
 
 Und schlaf ich ein
 mit der weichen Traurigkeit neben mir
 Fühle ich mich umgeben und beschützt
 Und auch wenn ich morgen allein in meinem Bett erwache
 War der vergangene Abend eine schöne Sache 

Gewitter-Sonnenuntergangs-Regenbogen-Text

  Von oben herab fällt der Regen
 Am Balkongeländer vorbei
 Ich schaue ihm nach 
 bis an den Boden hinab
 
 Weiter oben brennt der Himmel orangen rot
 Und nur so können die grauen Gewitterwolken im rosa erstrahlen
 
 Ein leiser Regenbogen spannt sich über den Himmel wie zum Trotz
 
 Die Farben wie ein langes Band über den Himmel von West nach Ost 

Roter Taft

 
 Fliegender Schmetterling
 aus rotem Taft
 Sitzt auf meiner Schulter und gafft
 Auf roten Lippen und die Kippen
 die qualmend für die Ästhetik auf dem Balkon sterben
 Alleine Küsse ich die Nacht
 Wie eine Statue die in der Dunkelheit über ein Museum wacht
 So sitzt dort der Schmetterling aus rotem Taft
 Beugt sich zu meinen Lippen
 Er lacht 

Wicked Queen

Evil life
May I say: Evil child
She wants to grab your crown
Wants to snatch it
She tries to take it
By any chance
She smiles while she kills
And when she’s done you won’t know
Cause you‘ll be gone
She‘ll bring darkness
And she‘ll smile
With her wicked heart
Deeply sorry for what will come
A kingdom shall rise
By the hands of a evil queen
Go my dear, flee
If you still can
Cause she‘ll come
The wicked queen

Schneemond

Im frischen Schnee zeichnen sich die Fußspuren ab, die einzigen sichtbaren, die Kanten des Abdrucks schimmern orange im Licht der Straßenlaternen. Deine Lippen fühlen sich  auf meinen wie eisige Schneewolken an, während weiter Schneeflocken aus dem nachtschwarzen Himmel auf dein Haar nieder rieseln. Vielleicht ist der Himmel auch grau oder blau wie der Schnee, vielleicht muss man den Schein der Stadtlichter ignorieren um die Sterne zu sehen, aber ich fühle mich mit dir in eine dunkle Decke gehüllt, kuschelig kalt, und sie schirmt uns von den anderen Menschen der Welt ab. Ich höre meine eigene Stimme leise wispern und verstehe keines meiner Worte, ich verstehe nicht den Glanz in deinen Augen und den Mond der aus einem Loch in der Wolkendecke zu uns hinunter scheint. Ich verstehe nicht was du sagst, in meinen Ohren dröhnt jede fallende Schneeflocke zu laut, spüre wie meine eiskalten Finger fast unter deiner Berührung brechen, deine warmen Augen Bände sprechen.

Ich weiß nicht ob wir den Flocken entgegen schweben oder warum der Himmel so nah scheint, ich mich fast am Mond verbrenne und dort oben schon die Krater und Narben sehe und versuche dich zu spüren doch du bist nur wie ein Hauch aus Nebel der beim schwenk meiner Hand auseinander stäubt und nichts als dunkle Leere hinterlässt.