exile

ich sehe dich dort
lachen, ohne dass es deine augen erreicht
ich stehe hier im schatten
und lass dich sein
wen soll ich jetzt verteidigen
wenn du mich doch verraten hast
die kälte begrüßt mich
und ich gehe mit ihr
denn ich habe diesen film schon mal gesehen
und ich hab das ende nicht gemocht
streu salz in die wunden
so viel wie möglich
damit ich guten gewissens gehen kann
denn der schmerz überwiegt
hände auf deinem körper
es sind nicht meine
jetzt komm schon raus
die linie zwischen liebe und hass
ist schon immer dünn gewesen
und deine gedanken konnte ich nie lesen
also stell dich deinen ängsten
und komm zu mir ein letztes mal
ich bin der schatten
dem du rechenschaft schuldig bist
hab dir so viele zeichen gegeben
die du nie gesehen hast
also bleib ich allein
dieses mal sicher
bis sich die graue wand öffnet
und ich fliehen kann
Inspiriert vom Song “exile” von Taylor Swift ft. Bon Iver, entstanden August 2020

Wer die Freiheit liebt, liebt die Einsamkeit

Zusammen sitzen wir hier 
und ertrinken 
ertrinken in der Nähe 
die wir bewahren 
wir sind Kinder der Stille 
wir gehören hier nicht hin 
ist es denn wahr was sie sagen 
wer wirklich frei ist 
ist in Wahrheit allein? 
Diese Worte treffen auf taube Ohren 
denn wir wollen keine Nähe 
nicht in den Spiegel schauen und jemand anderen sehen 
also reißen wir aus 
sprengen die Ketten welche die Massen uns angelegt haben 
und brechen durch den Beton aus dem die Mauern hier gemacht sind 
stürzen uns ins eiskalte Wasser 
und lassen uns hinunterziehen 
bis wir nichts mehr hören 
als das Blut, das in unseren Adern pulsiert 
und die Gedanken, die in unseren Köpfen rasen 
keine leeren Worte mehr 
wir ertrinken in der Stille 
sind wir jetzt frei?

Inspiriert vom Lied “Tanz für mich” von Provinz, Text entstanden August 2020

Zigarettenautomat

Es ist immer noch klar;
das was ich mit so jungen Jahren sah,
das was damals dort geschah;
Die Erinnerung kommt zurück jedes Jahr
 –
Nach der Schule kam ich herein
In unsere Wohnung
Ich wusste du warst daheim
Noch immer war alles voller Müll 
Damals wusste ich das nicht, 
aber es sah ein bisschen aus wie Tschernobyl
Eine Atmosphäre so tot und leblos
Tausend Dinge, die nichts besser machten,
Hast du umhergeschmissen, achtlos
Zersplittertes Holz und Glas
Dich konnte ich nicht mal sehen
Irgendwie roch es auch nach Gas
Irgendwann fand ich dich in einer Ecke
Deines Schlafzimmers
wolltest dass ich dir eine Zigarette anstecke
Als die Person die du warst,
War das natürlich die erste Sache,
Die dir einfiel, als du mich sahst
Um dich lagen braune Flaschen,
Dreckige Nadeln, Pillen
Und andere fragliche Sachen
Du warst wie unsere Wohnung –
In Trümmern
Und wenn ich lauschte
Hörte ich dich ein bisschen wimmern
Ich sagte: “Mama bleib stark”
Aber du schicktest mich nur wieder in den Park
Zum Zigarettenautomat
Und als ich dort stand
Mit deiner Schachtel in der Hand
In diesem Loch, das nach Alkoholkotze stank
Drehte ich mich um, und sah, wie der Ort den ich mit Heimat verband,
In Flammen und Rauch ertrank
Und was ich damals nicht verstand, war,  dass du das Gas mit Absicht aufgedreht hattest
Und mich mit Absicht rausgeschickt hattest,
Als du dir deine letzte Zigaretten angezündet hattest –
Dann stand ich nur da,
und das Feuer spiegelte sich in meinen Augen.

Herz aus Titan

Tod – wie oft habe ich versucht, dieses Wort zu versteh’n?

Lass mich sterben – wie oft habe ich es in mich hinein geschrien?

Lass mich sterben, lass mich schrei’n

Lass mich tausend Tränen wein’n

Jedes ihrer Worte ließ mich tausend Tode erleben

Doch ich wusste, ich würde ihnen jeden einzelnen zurückgeben

Doch es gibt etwas, das keiner von ihnen weiß

In dem Moment, in dem ich mein Ende sah, gefror mein Herz zu Eis

Ich habe nichts zu verlieren

Ich spüre keine Schmerzen, keine tödlichen Viren

Ich falle, um aufzusteh’n

Ich warte, um weiterzugeh’n

Im Leben darf Risiko nicht fehl’n

Denn ich sterbe, um aufzuersteh’n

„Lass mich sterben!“, schreie ich, denn mit jedem Tod verliere ich eine Schwäche

Und meine neugewonnene Stärke verwende ich, indem ich mich an meinen Mördern räche

Um zu überleben brauche ich keinen Plan

Denn ich bin unsterblich, als wäre ich aus Titan

Doch all das tat ich nur für den, der mich nach oben zog

Auch wenn das Meer, das ich ihm weinte, manchmal tausend Tonnen wog

Er flüsterte, dass ich nicht sterben kann

Und irgendwie schaffte er es, dass ich mich in seiner Nähe immer auf mein Inneres besann

Doch es war nicht sein Wort, das mir wie ein Messer das Herz zerstach

Sein Schweigen war es, das mich letztendlich in tausend Splitter brach

Er wusste nicht, was ich mit seinem Namen verband

Denn das, was er mir gab, zerfiel bald zu Asche und Sand

Aber in dieser Zeit brauche ich Unsterblichkeit

In dieser Zeit muss ich kugelsicher sein

Denn am fernen Horizont färbt sich der Himmel wie Blut dunkelrot

Es gibt nur Freund oder Feind, dazwischen ist der Tod

Das neue und alte Zeitalter setzt außer Kraft jeden Plan

Überleben kann man nur mit einem Herz wie meinem

Mit einem Herz aus Titan