Braun-gelbe Blätter

Rutschige Blätter liegen auf dem Boden. Sie sehen harmlos aus, wie sie da liegen, und in ihren neuen Farben strahlen. Fast schon sagen sie: „Schau, schau wie schön ich bin! Ich bin nicht mehr grün, wie alle anderen, ich bin jetzt gefärbt in meinem ganz eigenen Gelbton.“ 

Aber sie liegen dort auf dem Boden, weil der Baum sie nicht mehr halten kann, weil sie ihm zu viele sind, weil er Energie sparen muss, weil es kalt wird, weil es eisig wird, weil es Winter wird. Blumen wird es nicht mehr geben und auch das im Boden verwurzelte grüne Gras wird dann eingehüllt sein vom Raureif, sich nicht bewegen können, eingesperrt im Eis. Aber es doch wird da sein und den Weg mit seinem eisig schimmernden Grün säumen.

lila Licht

Dein nebliger Blick-
Durch das lila Licht der Liebe-
Durch den Seidenvorhang, der vor deinen Augen hängt.
Und du sieht mich an. 
Kommst ganz nah ran. 
Aber mein Blick ist klar, scharf gestochen. 
Ich seh was ist, habs gleich gerochen.
Dieser weichgezeichnete Blick, diese sanfte Berührung, 
dieses Trunken sein von Liebe und dem reinen Schein
Der Blick vertuscht die Ecke und Kanten
Die alle von Anfang an erkannten
Doch dein Blick ist weich
Du siehst nur mich
Die Knie werden weich, du sackst weg
Die Augen offen, der Blick ganz leer
Die Überdosis, an Gefühl, an Explosion und Taubheit.
Die Überdosis am Leben, die Augen matt und stumm. 
... denn alles geht mal rum

Shades of Blue

The ocean -
The nightly sky
Fishes in the endless depth of the sea
The shimmering wings of a bee
Flowers on green grass
And butterflies dancing in our vital gas
Berries on a shadowy weed,
Blood, before you bleed;
Your uncle’s new tweed.
The tears you shed
On the fresh sheets of your bed
The flame on your stove,
Dreaming of my favourite cove
Small diamonds dropping out of a cloud
And our feelings 
That we enshroud.
Der Titel des Albums ist ‘Shades of Blue’ und hat mich mit diesem wunderbaren Song zu dem oben stehenden Text inspiriert. Er kann zusammen mit der Musik etwas langsamer gelesen und genossen werden.

Gedankenfabrik

Tüfteln Tuckern Tackern
Wagen rütteln und rattern
Die Fabrik dampft,
die Gedanken rollen
In schweren Zügen aus dem Stollen
Glitzern in teurem Silber und Gold
Dies begeistert auch den Höhlenkobold
Er schleicht um die ruckelnde Lore
Und sieht, dass sie mit etwas anderem gefüllt ist als der üblichen Kohle
Schnappt sich das edle Gut
Und stopft es in den filzenen Hut
Rennt hinaus aus dem Stollen
Ins Mondlicht der jungen Nacht
Da kommen die Gedankenwärter aus dem Stein gequollen
Und man hört nur noch wie es seltsam kracht
Die Gedanken fliegen frei gen’ Himmel
Richtung der lilanen Wolken
Sammeln sich bei ihnen
Geballt zusammen, stark und elektriziert
Der Hase auf dem Feld hört das Donnergrollen
Der Himmel bricht
Die ganze Welt ist jetzt infiziert
Mit dem funkelnden Gedankentau

Zigarettenautomat

Es ist immer noch klar;
das was ich mit so jungen Jahren sah,
das was damals dort geschah;
Die Erinnerung kommt zurück jedes Jahr
 –
Nach der Schule kam ich herein
In unsere Wohnung
Ich wusste du warst daheim
Noch immer war alles voller Müll 
Damals wusste ich das nicht, 
aber es sah ein bisschen aus wie Tschernobyl
Eine Atmosphäre so tot und leblos
Tausend Dinge, die nichts besser machten,
Hast du umhergeschmissen, achtlos
Zersplittertes Holz und Glas
Dich konnte ich nicht mal sehen
Irgendwie roch es auch nach Gas
Irgendwann fand ich dich in einer Ecke
Deines Schlafzimmers
wolltest dass ich dir eine Zigarette anstecke
Als die Person die du warst,
War das natürlich die erste Sache,
Die dir einfiel, als du mich sahst
Um dich lagen braune Flaschen,
Dreckige Nadeln, Pillen
Und andere fragliche Sachen
Du warst wie unsere Wohnung –
In Trümmern
Und wenn ich lauschte
Hörte ich dich ein bisschen wimmern
Ich sagte: “Mama bleib stark”
Aber du schicktest mich nur wieder in den Park
Zum Zigarettenautomat
Und als ich dort stand
Mit deiner Schachtel in der Hand
In diesem Loch, das nach Alkoholkotze stank
Drehte ich mich um, und sah, wie der Ort den ich mit Heimat verband,
In Flammen und Rauch ertrank
Und was ich damals nicht verstand, war,  dass du das Gas mit Absicht aufgedreht hattest
Und mich mit Absicht rausgeschickt hattest,
Als du dir deine letzte Zigaretten angezündet hattest –
Dann stand ich nur da,
und das Feuer spiegelte sich in meinen Augen.

Freddie Mercury

Der Beat pulsiert durch unsere Adern, er katapultiert uns in andere Welten, in andere Universen, in andere Wahrnehmungszustände. Unsere Pupillen pulsieren, unsere Neuronen pulsieren, unsere Bewegungen pulsieren. Unser Herz schlägt gleichzeitig mit dem Bass. Wir schließen die Augen, lassen uns gehen, schweben im luftlosen Raum, vergessen wo und wer wir sind. Vergessen, mit wem wir hier sind. Wenn jemand versuchen würde, mir zu sagen, welches Jahr es ist, wie mein Name lautet und wie diese Welt funktioniert, ich würde nicht zuhören. Ich höre nur die Melodie, zu der mein Fuß klopft, zu dem ich meinen Körper und meine Schultern bewege, meine Hüfte schwinge. Es gibt nur mich und die Schallwellen in diesem Raum. Es gibt nur mich und die Musik. Ich spüre deine Hände an meinem Körper. Komm, lass uns eins werden. Lass uns zusammen die Magie verspüren, als ein pulsierender Organismus. Du und ich, wir sind eins. Wir sind eins mit der Welt. Mit dem Sonnensystem und dem Universum, mit den unendlichen, schwarzen Weiten, von denen wir nichts wissen. In diesem Moment konnte ich wetten, dass alle Atome und Quarks in meinem Körper mit dem selben Rhythmus pulsieren wie mein Herz und mein ganzer Körper. Lasst mich doch aus dieser Schale ausbrechen. Lasst mich hier raus. Lasst meine Seele schweben. Ich hab vergessen, dass du auch hier bist. Ich bin nur eine schwebende, sich bewegende Gedankenmasse. Ich schwebe durch Raum und Zeit, ich schwebe weit. Weg von allem, das ich kenne.

Eins der Lieder, die ich beim Schreiben angehört habe. Ich finde es passt sehr gut zum Text, und verstärkt ihn beim Lesen. Also gern dazu anhören. Außerdem: Living on my own.
Anmerkung: In dem Text geht es nicht um Sexualität, aber die mystische Verbundenheit, mit der ganzen Welt, die man in manchen M0menten verspürt.

Sternenstaub

Weißt du noch wie wir damals am Waldrand entlang spazierten? Ich hatte keine Ahnung, wer du eigentlich warst, aber uns verband der Moment und der Blick in die Sterne. Es war dunkel, ich sah nur den Himmel und dich, du nahmst meine Hand und der Moment war magisch. Wir saßen im Gras, blickten in den Himmel und ich sah dein dunkles Haar im Mondlicht schimmern. Ich konnte dem Moment nicht glauben, es fühlte sich so sehr nach einem Film an. Tannennadeln bewegten sich im Wind, als du deinen Arm um mich legtest. Komm geschwind, sagtest du und zogst mich zwischen die Bäume. Licht fiel in Strahlen auf den Waldboden, der unter unseren Schritten sank. Lachend rannten wir zwischen den nackten Stämmen der Nadelbäume durch die Nacht, die sich an deiner Seite unendlich anfühlte. Plötzlich bliebst du abrupt stehen und zogst mich zurück, nahmst mich an der Hüfte, zogst mich zu dir. Ich spürte deine Wärme im Gegensatz zu der kühlen Frühlingsnacht durch mein T-Shirt. Deine Arme schlossen sich um mich, wie dein Mund meinen. Die Umgebung verschwamm. Ich wusste nicht, wo ich bin. Die Tannennadeln verschwanden und der weiche Waldboden und das Mondlicht. Ich spürte deinen Körper an meinem, deine Wärme, die kalte Waldluft, versank in deinem Duft, ich sah schwarz und bunt und fühlte mich als würde ich fliegen und im Boden versinken. Meine Hand fuhr durch deine Haare, die lang und kurz gleichzeitig waren, deine Arme hielten mich fest bei dir. Du löstest dich von mir und ich sah wie die Sterne sich hell in deinen Augen spiegelten, aber vielleicht leuchteten diese auch ganz von selbst.

Gehirnwelten

Woher kommen diese Welten
In die wir uns flüchten
Wenn und der Rest der Welt 
Nicht mehr gefällt
Woher kommen diese endlosen Weiten
In die wir fliehen
Wie aus Büchern mit tausenden Seiten
Mit blauen Himmeln und grünen Wiesen
Mit Höhlen und Lieben und Menschen und Pflanzen
Die in meinen Gedanken tanzen
Während draußen am Fenster
Der Regen prasselt 
… Doch in meinem Kopf
bin schon lange nicht mehr hier.