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Gedicht

Wie geht es dir?

„Gut“, welch ein verlogenes Wort Und doch benutze ich es zu jeder Zeit an jedem Ort Ist ja klar, denn sonst müsste ich sagen: „Schlecht, denn ich kann diesen Scheiß nicht mehr ertragen!“ „Wie geht es dir?“, immer wieder die gleiche Frage Erwartest du wirklich, dass ich dir die Wahrheit sage? Sie hat in uns’rer heilen Welt doch nichts verloren Wir werden hier ja alle nur zum Glücklich-Sein geboren Denn die Menschen mit sichtbaren Problemen sind ja schon längst in der Kälte erfroren „Wie geht es dir?“ — „Mir geht es gut.“ Und in Gedanken: „Ich schwimme halt in einem Meer aus Blut.“ Aber man darf die Probleme ja nicht beim Namen nennen Selbst wenn sie alle kennen Also stellt mir doch bitte eine and’re Frage Zum Beispiel wann ich zuletzt ein Katzenvideo im Internet gesehen habe Damit ihr auch mal wisst, wie ich diesen ganzen Scheiß ertrage